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01.04.2015

01.04.2015

Mehr als nur eine schöne Geste: Die Wettenberger Fußballer sammeln und stellen ihre Ausstattung für den guten Zweck zur Verfügung. (Foto: ras) Rainer Schmidt

Flüchtlinge zum Fußballspielen animieren

(sno) Die jungen Wettenberger Kicker der D-Jugend sammeln Fußballutensilien und übergeben sie den Flüchtlingen aus der Region. Ihnen wird auch ein beitragsfreies Jahr im Verein angeboten. Der Sport als Integrationsmittel soll genutzt werden. Zur Belohnung geht es für die Kinder der FSG mit dem Pfadfinder-Projekt nach München.

Der elfjährige Urs Fischer aus Krofdorf weiß, warum er bei sich zu Hause Fußballutensilien gesammelt hat und sie den Flüchtlingen übergibt. »Sie flüchten, weil sie in ihrem Land keine Zukunft haben und hier bei uns auf ein besseres Leben hoffen. Dann sollten wir ihnen dabei helfen, sich zurechtzufinden.«

72 Flüchtlinge, die mittlerweile in Wettenberg und Biebertal untergebracht sind, haben jetzt zumindest schon einmal eine Fußballausstattung. Der Weg auf den Fußballplatz ist so gesehen geebnet, die Integration durch den Sport ist oft einfacher als auf anderem Wege.

Zu verdanken haben die Einwanderer das Urs Fischer und seinen Kollegen der D-Jugend der FSG Wettenberg. Im gesamten Juniorenbereich des Vereins wurden Fußballschuhe, Trikots, Hosen, Stutzen und Bälle zusammengetragen. Die Hauptarbeit leistete die D-Jugend. »Wir wollten ihre soziale Kompetenz steigern«, sagte der Vorsitzende der FSG, Elmar Martin. Gleichzeitig werden die jungen Kicker für ihr Engagement belohnt: Am Samstag, dem 11. April, fahren sie nach München, zum Bundesligaspiel zwischen den Bayern und Eintracht Frankfurt. Dank des Pfadfinder-Projekts des MH-Autoforums an der Automeile Gießen, das die Geschäftsführerin Andrea Michel-Lebeau schon vor Jahren ins Leben gerufen hatte und seither junge Fußballer jährlich für ihre sozialen Taten belohnt. »Ich bin für die Belohnung zuständig. Nach eurer tollen Aktion geht es jetzt für euch in die Bayern-Welt«, sagte Michel-Lebeau.´

"Stellt euch vor, ihr seid in Afrika, auf der Flucht"

Es ist also ein Projekt, von dem alle Seiten profitieren. Neben den Utensilien bietet die FSG Wettenberg den Flüchtlingen ein beitragsfreies Jahr im Verein an – um die Integration zu erleichtern. Der Bürgermeister von Wettenberg, Thomas Brunner, begrüßt das. »Sport ist etwas, das Menschen am leichtesten verbindet. Das ist eine tolle Möglichkeit zum Einstieg.«

Kurt Kleist, der sich um die Flüchtlinge in Biebertal kümmert, erklärte den jungen Fußballern wiederum, wie sich die Einwanderer fühlen. »Stellt euch vor, ihr seid in Afrika, ihr kennt die Sprache nicht und ihr seid mit euren Eltern schon monatelang auf der Flucht. Plötzlich seid ihr in einem Dorf in Afrika, von dem ihr noch nie gehört habt. Da sitzt ihr nun, könnt nicht zur Schule, wisst nicht, was ihr machen sollt. Ihr habt Angst. So geht es den Flüchtlingskindern, die von Rodheim vorher auch noch nie etwas gehört haben.« Anders seien sie vom Grundsatz her trotzdem nicht: »Wenn sie einen Ball haben, dann spielen sie einfach Fußball.«

"Ich gucke mir an, wie Schweinsteiger die Angriffe einleitet"

Noch nicht ganz so gut, aber ähnlich leidenschaftlich wie die Profis. Diesen wird die Wettenberger D-Jugend nun in der Allianz-Arena live zusehen. Vorsitzender Martin meint: »Da rückt das Team enger zusammen, da sind wir schon ganz heiß drauf.« Und während der elfjährige Urs Fischer genau weiß, warum er sammelte, weiß sein zwölfjähriger Teamkollege Sahin Kilinc aus Krofdorf auch gleich, worauf er beim Ausflug besonders achten wird: »Ich gucke mir an, wie Bastian Schweinsteiger spielt. Wie er die Angriffe einleitet. Ich spiele nämlich selbst in der Mitte.«

Gießener Allgemeine, 01.04.2015