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16.11.2015

26.11.2015

Gut 200 Bürger informieren sich in Krofdorf-Gleiberg. (Foto: so) Ruediger Sossdorf

Infoabend zu Flüchtlingen in Wettenberg: Die Menschen wollen helfen

Wettenberg (so). In den drei Wettenberg-Dörfern wird voraussichtlich noch in diesem Jahr 100 Menschen ein anständiges Dach über dem Kopf geboten werden müssen. Wo und wie und warum auf einmal so schnell – darüber wurde am Dienstagabend in der Krofdorfer Mehrzweckhalle informiert.

Gut 200 Menschen waren gekommen – und bei den Bürgern aus Wißmar, Launsbach und Krofdorf-Gleiberg dominiert, wie andernorts auch, die Hilfsbereitschaft.

Freilich gibt es auch hier Fragen nach den Standorten, wurde Unmut geäußert über die mehr als kurzfristige Information. Insbesondere Anlieger vom Kuhgraben ins Launsbach sorgen sich um das bislang eher ruhige, etwas versteckt hinter dem ehemaligen Spritzenhaus (der heutigen Kelter) gelegene Fleckchen, an das ihre Grundstücke angrenzen. Ob dies nicht Vogelschutzgebiet sei?!, entrüstete sich eine Launsbacherin. Dort stehe im Sommer die Luft. Ansonsten sei es ein Refugium für die heimische Tierwelt, in der sich Rehe, Fuchs, Waschbär und Wildschweine »Guten Tag« sagten. Und ein weiterer Launsbacher ergänzte: »Das ist eigentlich ein dunkles Loch. Es gibt bessere Plätze«. Was da vor allem wurmt: Die Nachbarn fühlten sich nicht von der Gemeinde direkt und vorab informiert. Ein Aspekt übrigens, den der Kreisverband der AfD auf seiner Facebook-Seite aufgegriffen hat und der dort heftig kommentiert wird. Das war am Dienstagabend in Krofdorf aber kein Thema.

Weitere Standorte gesucht

Weitere kritische Anmerkung: Die Politik habe über den Standort entschieden, ohne dies mit den Bürgern zu diskutieren. Da warben Bürgermeister Thomas Brunner und auch Landrätin Anita Schneider um Verständnis: Die Standortauswahl obliegt der Kommune. Und die hat angesichts der drängenden Zeit auch nur schnellen Zugriff auf eigene Flächen. Denn Eile tut not: Der Kreis hatte bis Oktober allwöchentlich rund 50 Flüchtlinge aufzunehmen und unterzubringen; seitdem sind es 100 Menschen pro Woche. Nach dem zugrunde liegenden »Königsteiner Schlüssel«, einem Verteilmodell, bekommt der Kreis Gießen rund 5 Prozent der in jeder Woche in Hessen um Aufnahme nachsuchenden Menschen zugewiesen.

In Wettenberg hat man bewusst entschieden, eben keine große Unterkunft für 100 oder mehr Menschen in einer Leichtbauhalle zu haben, sondern eben dafür geplant, drei Holzhäuser bauen zu lassen, die jeweils Raum bieten für 32 Menschen. Unterkünfte dieser Größenordnung sind kostengünstiger als die großen. Es werde perspektivisch die Integration der Menschen erleichtern, legten Brunner und Schneider dar, unterstützt von Marita Seibert, beim Landkreis Gießen Fachdienstleiterin Soziales und mithin verantwortlich für die Flüchtlingsfragen.

Klare Aussage zu den drei gewählten Standorten: Naturschutz greife dort nicht; nach Prüfung beim Kreis seien die Flächen geeignet und genehmigungsfähig. Doch es scheint auch klar, dass diese drei Standorte nicht das Ende sind.

Brunner rechnet damit, im kommenden Jahr weitere drei Unterkünfte errichten zu lassen. Denn die Zahl der Flüchtlinge sinkt nicht; die Kommunen bleiben in der Pflicht, sie menschenwürdig unterzubringen. Um weitere Standorte macht man sich Gedanken. Offen sei man für Hinweise und Angebote der Bürger. Das gilt auch für Häuser oder Wohnungen, die anzumieten sind. Wo weitere drei Holzhäuser aufgebaut werden können, ist noch in der Prüfung.

Gießener Allgemeine, 26.11.2015